St. Kilian von Mullagh. 640-689 A.D.
Die auBergewöhnliche Geschichte eines fruhen irischen Monchs...
EIN EXIL FUR DAS EVANGELIUM
Im siebten Jahrhundert haben Hunderte von irischen Monchen Irland verlassen, um auf dem europaischen Kontinent das Evangelium zu predigen. Einer dieser Missionare war St. Kilian von Mullagh, der Franken evangelisiert hat und dort 689 als Martyrer starb.
Kilian wurde um 640 nach Christus in Mullagh in der Grafschaft Cavan geboren, ungefahr zweihundert Jahre nachdem St. Patrick das Christentum nach Irland gebracht hatte.
Zu jener Zeit befand sich das Monchstum in Irland auf einem Hohepunkt. GroBe Kloster, Zentren des Glaubens und der Gelehrsamkeit, wie Clonmacnoise, Durrow, Derry, Clonard und Glendalough, bereiteten Monche wie Kilian darauf vor, das Evangelium wieder nach Europa zu bringen.
Mit einen groben grauen Kittel bekleidet, einen Stab und das Buch der Evangelien tragend, zog Kilian nach Suden, nach Tuosist in der Nahe von Kenmare in der Grafschaft Kerry.
686 segelte er mit elf Gefahrten vom Hafen in Kilmackillogezum Kontinent. Entlang des Rheins an des Mains zogen Kilian und seine Gefahrten nach Franken, wo er, wie die Legende erzahlt, auf einem Berg, bekannt als der Kreuzberg, ein Kreuz errichtete, das heute das moderne Wurzburg uberblickt.
Franken was damals groBenteils ein heidnisches Land, in dem das Christentum wenig EinfluB hatte. Die Legende berichtet, daft Kilian sich erst die Erlaubnis des Papsts einholte, ehe er mit seiner Mission begann. fn den folgenden Jahren tauften Kilian und seine Gefahrten Tausende von Franken, einschlieBlich ihres Herrschers, Herzog Gozbert. Seine Mission was so erfolgreich, daB er als der Frankenapostel bekannt wurde.
Die Bekehrung von Gozbert hatte fatale Konsequenzen fur Kilian und zwei seiner Gefahrten, Kolonat und Totnan. Die Passio Minor aus dem zehnten Jahrhundert erzahit die Geschichte ihres Martyriums:
Sie gelangten in das Gebiet der ostlichen Franken, zu dem Kastell Wiirzburg und predigten dort das Wort Gottes. Als Herzog Gozbert davon horte, lieB er zu sich rufen. Als sie zu ihm kamen, hatten Bischof Kilian und der edle Herzog eine Unterredung, und es dauerte nicht lange, bis der fromme Bischof Gottes, jenen tiberzeugte, Christ zu werden. Aber Herzog Gozbert hatte die Gattin seines Bruders zur Frau. Kilian wandte sich mit den folgenden Worten an ihn: "Du muBt Deine Ehefrau, mit der Du zu Unreacht verheiratet bist, verlassen". Als aber Gaifana, die Gattin des Herzogs Gozbert, davon horte, entbrannte sie in Zorn und Eifersucht und Tag und Nacht sann sie, auf welche Weise sie die Heiligen Gottes vernichten konne.
Und als der allmachtige Gott woflte, daB seine Kampfer ihren zeitlichen Kampf beenden sollten, trat der Henker zu ihnen, das Schwert geuckt, die Freude Gottes damit zu enthaupten, in Ausfuhrung der Befehle der Gailana.
Als Kilian das sah, sagte er zu den Seinen, die sule aber nich toten. "Furchtet nicht diejenigen, die zwar den Leib toten konnen". Nach diesen Worten wurden alle in gleicher Weise enthauptet.
Als Herzog Gozbert kam und nachforschte, wo die Diener Gottes seien, antwortete seine unglaubige Gattin, sie wisse es nicht. Der Ungluckselige, der ais schuldig fur ihren Tod gait, wurde freigelassen, Ais er aber frei war, begann er plotzlich in Raserei zu verfallen, sich selbst mit seinen Zahnen zu zerfleischen bis er starb. Ein boser Geist fuhr in Gailana und qualte sie so lange, bis sie ihr Leben beendete.
Um das Jahr 752 wurden die sterblichen Uberreste der drei irischen Martyrer unter einem Stall begraben entdeckt. Sie wurden ausgegraben und zu einer Kirche auf dem Marienberg gebracht. Schon bald begannen Pilger aus ganz Europa zum Grab von Kilian, Kolonat und Totnan zu stromen, und viele von ihnen waren aus Irland.
Die Wurzburger Glossen, Aufzeichnungen in irisch, die von Studenten zu den Pauiusbrieten in der Mitte des achten Jahrhunderts geschrieben wurden, sind Beweis fur die Verbindung zwischen den beiden Landern. Sie sind gegenwartig in der Wurzburger Universitatsbucherei untergebracht Der beruhmte deutsche Sprachgelefrrte Johann Casper Zeuss basierte seine "Grammatica Celtica" teilweise auf diese Glossen. Sein Buch wurde 1853 veroffentlicht und filt heute noch als das Standardwerk fur Studenten des fruhen Irisch.
1139 wurde das Schottenkloster des heiligen Jakob, ein irisches Kioster in Wurzburg, gegrundet, das sich um die Pilger von der grunen Insel kummerte. Es bestand fur dreieinhalb Jahrhunderte. Eine Zeitlang unterhielt es ein Tochterhaus in Rosscarbery in Western der Grafschaft Cork. Sowohi in Deutschiand ais auch hier in irland war Kilian immer ein Heiliger des Volkes. Die Wurzburger haben ihn zu ihrem Schutzheiligen gemacht und ihm einen zentralen Platz in ihrer Verehrung eingeraumt Jede Generation hat ihren eigenen Tribut gezollt, in stein, Metall oder Holz. Er ist dargestellt als einfacher Missionar, als machtiger Prinzbischof oder als frommer Evangelist.
Jedes Jahr werden an seinem Festtag (8. Juli) die Reliquien der drei irischen Martyrer in einer festlichen Prozession durch die StraBen der Stadt getragen.
In seinem Geburtsort Mullagh wird sein Namenstag mit Gebeten an St. Kilians heiliger Quelle in der Gemarkung Cloughballybeg begangen. Bis vor kurzen wurde er ebenfalls durch Andachten in Kilmacilloge in der Grafschaft Kerry und in Rosscarbery in Cork geehrt. Kirchen und Schulen in ganz Irland sind nach ihm benannt.
1991 wurde ein Reliquie des Heiligen von Wurzburg nach Mullagh gebracht, eine besondere Heimkehr, zwolf Jahrhunderte nachdem er aufgebrochen warzu seiner langen spirituelien Reise, auf der er am meisten verehrte und geliebte irische Heilige auf dem Kontinent wurde.
|